VBJ SETZT SICH GEGEN WACHSENDEN ANTISEMITISMUS EIN

In den letzten Tagen haben sich mediale Berichte über das jüdische Leben in Österreich fast täglich dramatisiert: Zuerst wurde laut über die Einschränkung des Schächten debattiert. Dann wollte man „Listen“ einführen, um jüdische Bürger anzuprangern, welche koscheres Fleisch kaufen. Und dann auch noch eine Attacke auf Juden auf offener Straße, nur weil sie eine Kippa trugen. Die Bedrohung des jüdischen Lebens in Österreich hat im vergangenen Monat massiv zugenommen und führt bei vielen Gemeindemitgliedern zu großer Angst.

Der Antisemitismus hat stark zugenommen und genau in diesem Monat ist auch diesbezüglich eine Studie der Technischen Universität (TU) Berlin erschienen, welche dieses Problem konkret im Internet untersuchte. Hier wurde festgestellt, dass sich der Antisemitismus 2.0 mittlerweile auch über den Kommentarbereich der Qualitätsmedien ausbreitet und immer unverhohlener offen zur Schau gestellt wird. Als VBJ sprechen wir uns aufs Schärfste gegen Hass, egal in welcher Form oder in welchem Medium, auch immer aus!

Wir finden, wenn Juden und Jüdinnen in Österreich der Zugang zu koscherem Fleisch erschwert oder sogar untersagt wird, ist diese Handlung genauso Hass motiviert, wie wenn einem Passanten die Kippa vom Kopf geschlagen wird. Wenn auch noch zusätzlich der Vorschlag gemacht wird, jüdische Mitbürger mittels Listen zu erfassen, grenzt dies aber an eine Systematik, welcher man seit 1945 nicht mehr ausgesetzt war. Es gilt diesen Überlegungen entschlossen entgegenzutreten und die Auswirkungen dieser Ideen aufzuzeigen: Eine Abwanderung des sowieso kleinen jüdischen Lebens aus Österreich.

Einen koscheren Haushalt zu führen, die Gebote zu halten und seine jüdische Religion frei zu leben verlangt von uns in Österreich viel Kraft und Organisation ab. In anderen Ländern ist der Zugang zu koscheren Produkten viel billiger und sie sind leichter erhältlich. Wenn wir unsere Einkäufe erledigen, zum Beten in die Synagoge gehen oder einfach nur das schöne Wien genießen, wollen wir nicht Angst haben, eine Kippa zu tragen und dadurch Opfer von Übergriffen zu werden.

In diesem Monat, die von so vielen negativen Schlagzeilen geprägt ist, können wir aber auch auf ein Projekt verweisen, dass uns Hoffnung gibt. Gemeinsam mit den Initiatoren Michael Galibov und Alexander Karakas haben wir einen gemeinsamen Besuch von meist musli- mischen Flüchtlingen und jüdischen Jugendlichen in Mauthausen organisiert. Miteinander haben wir den Ort des Schreckens besucht, nachgedacht, gebetet und getrauert. Vielen Menschen in Österreich, egal ob hier geboren oder zugewandert, sind die Schrecken des Holocaust kein Begriff, oder schlimmer; sie werden verharmlost und sogar abgestritten. Genau aus diesem Grund ist es für uns wichtig, dieses Projekt umzusetzen. Wir konnten Jugendlichen davon überzeugen, dass Hass, Ausgrenzung und Antisemitismus keine Grundlage für eine gemeinsame Zukunft bieten. Es wäre daher genau jetzt wichtig, dass dieses Projekt von der Politik unterstützt wird, und die Jugend gemeinsam über alle Religionen hinweg die Folgen von Hass erkennt und sich dadurch mit dem Motto „niemals wieder“ einen gemeinsamen Weg bereitet; für ein tolles Österreich.

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